Vereinschronik

 

Geschrieben von: Tobias Bauhaus

Als der Fußball nach Südkirchen kam…

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Fußball von England aus seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Auch in Südkirchen wurde schon weit vor der Gründung des SVS im Jahr 1926, allerdings hauptsächlich von Jugendlichen, Fußball gespielt.

Das Spiel hatte damals nicht sehr viel mit dem gemein, was wir heute unter Fußball verstehen. Einen regulären Sportplatz gab es nicht; gespielt wurde auf den umliegenden Wiesen. Und auch an richtige Fußballschuhe oder gar einheitliche Trikots war nicht zu denken. Von einer Spielkultur konnte ebenfalls keine Rede sein, da alle Spieler auf dem Platz einfach nur dem Ball hinterher jagten.

Um damals mit einem echten Lederball spielen zu können, gingen die Jugendlichen oft ein großes Risiko ein. An einen Fußball kam man nämlich nur, wenn man ein Tauschobjekt hatte. Heimlich schafften die Jugendlichen also zu Hause Kupfer oder Eisen beiseite, um an den begehrten Ball zu kommen. Wurde man von den Eltern dabei erwischt, bezog man eine ordentliche Tracht Prügel.

Allen Problemen zum Trotz, gab es dennoch Wochenende für Wochenende Fußballspiele auf den Wiesen rund um Südkirchen. Es spielte in der Regel immer eine Mannschaft der Osterbauernschaft gegen eine Mannschaft der Westerbauernschaft. Doch mit der Zeit flachte das Interesse an den Spielen gegen den immer selben Gegner ab. Das sollte ab 1926 anders werden…

Von den Wiesen an die Cappenberger Straße

Das Jahr 1926 ist für den Fußball in Südkirchen ein bedeutendes Jahr. Am 29. Juni des Jahres wurde der SV Südkirchen gegründet und somit ein neues Kapitel für den Fußball in Südkirchen aufgeschlagen.

Bald stellte der neu gegründete Verein bei der Gemeindeverwaltung einen Antrag auf Erstellung eines Sportplatzes, der auch genehmigt wurde. Dieser Sportplatz wurde auf dem Gelände von Schulzen’s Hof an der Cappenberger Straße (nahe des heutigen Kreisverkehrs) gebaut und konnte 1927 seiner Bestimmung übergeben werden.

Im ersten Spiel, zu dem eine eigenständige Mannschaft des SV Südkirchen antrat, ging es gegen eine Auswahl aus Capelle. Lange war es eine ausgeglichene Partie, die ein torloses Unentschieden vermuten ließ. Doch Mitte der 2. Halbzeit flankte Flügelpieler Anton Krause von außen in den gegnerischen Strafraum auf Mittelstürmer Heinrich Bönning, den Star der Mannschaft. Dieser verwandelte, unter dem Jubel der Südkirchener Anhänger, den Ball mustergültig per Kopf zum 1:0-Endstand für den SVS.

SSV Südkirchen 1931

Und auch wenn der Fußball in den ersten Jahren der Vereinsgeschichte eine sehr dominierende Stellung einnahm, so gab es damals schon Leichtathleten unter dem Dach des SVS, die mit gelungenen Sportfesten eine Abwechslung zum Fußball boten.

Der Umzug an den Böckenbusch

Nach etwas mehr als zehn Jahren hatte der Sportplatz an der Cappenberger Straße ausgedient und der SVS sah sich nach einer neuen Spielstätte um. Die Gemeinde erklärte sich bereit, einen neuen Sportplatz am Böckenbusch zu errichten. Bis heute hat der SVS an dieser Stelle seine Heimat.  Das damals noch von Wald bestandene Areal konnte nur unter großen  Schwierigkeiten urbar gemacht werden. Einige Bäume mussten sogar ausgesprengt werden.

Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 folgte für den SV Südkirchen eine sechsjährige Zwangspause. An Fußballspiele am Böckenbusch war durch die zahlreichen Einberufungen ohnehin nicht mehr zu denken.

Im Krieg stark zerstört, wurde der Sportplatz bereits im Sommer 1945 von engagierten Spielern des SVS wieder aufgebaut. Und im August 1945 konnten die Zuschauer das erste Nachkriegsspiel ihrer Südkirchener am Böckenbusch sehen. Der Gegner war eine Mannschaft der britischen Besatzer. Das Spiel endete leistungsgerecht 2:2 unentschieden.

Die alsbald neu aufgestellte Fußballmannschaft des SV Südkirchen konnte sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten schon im Jahr 1946 in der 2. Kreisklasse Lüdinghausen etablieren und sogar in den Kampf um die Tabellenspitze eingreifen. Ebenfalls konnte der Verein in diesem Jahr sein 100. Mitglied willkommen heißen.

Für „1 Mark und ein Ei“

Damit die Anhänger des SV Südkrichen ihre Mannschaft zu den Auswärtsspielen begleiten konnten, stellte die Fahrkolonne ihre Lastkraftwagen zur Verfügung. Für 1 Mark und ein Ei  konnten sie so ihre Mannschaft auch auf fremdem Platz unterstützen.

Leider kam es damals immer häufiger zu Schlägereien nach den Spielen des SV Südkirchen. Dies gipfelte letztlich in einer vierwöchigen Platzsperre gegen den SVS, als der Platzkassierer einem gegnerischen Spieler seine Hartgeldkasse auf den Kopf schlug.

Die 1950er Jahre – Der DJK Südkirchen und der VfL Südkirchen

In den 1950er Jahren plagten den Verein zunehmend finanzielle Sorgen. Um diesem Problem zu begegnen, trat der SVS der Deutschen Jugendkraft (DJK) bei und benannte sich in DJK Südkirchen um. Als auch das die leeren Kassen nicht wieder füllte, löste sich der DJK-Verein wieder auf. Daraufhin wechselten einige Spieler zu anderen Vereinen.

Um die angehäufte Schuldenlast nicht übernehmen zu müssen, firmierte der Verein ab 1957 unter dem Namen VfL Südkirchen. Einige Spieler kehrten in dieser Saison wieder zum Verein zurück und es konnte am Ende der Saison 1957/1958 der Aufstieg in die 1. Kreisklasse Lüdinghausen gefeiert werden.
Dennoch gerät der Verein unter anderem durch viele Unzulänglichkeiten in der Vereinsführung erneut in die Misere. Erst mit der Präsidentschaft von Heinrich Klaas, der die Macht im Verein fast komplett an sich riß, konnte ein Abgleiten in die Bedeutungslosigkeit in letzter Sekunde abgewendet werden.

„Quante-Ära“

Im Jahre 1969 ist der Verein so weit heruntergekommen, dass die Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen werden müssen. Nach einigen Schwierigkeiten kann wieder ein geschäftsführender Vorstand zusammengestellt werden, an deren Spitze Josef Quante steht. Von diesem Tag an geht es mit dem Sportverein stetig bergauf. Der gesellschaftliche Aufschwung stellt aber die sportlichen Leistungen eindeutig in den Schatten. Kostümfeste zu Karneval, Kinderfeste sowie Mai- und Sommernachtstanz werden Glanzpunkte im gesellschaftlichen Leben von Südkirchen.

SSV Südkirchen 1973

Besonders hervorzuheben ist in dieser Zeit die enorme Eigenleistung, die von allen Mitgliedern des Vereins immer wieder gezeigt wird. Die Fertigstellung der Trainingsbeleuchtung 1969, das Anlegen des zweiten Platzes 1973 und die Errichtung der Flutlichtanlage am Hauptplatz 1975 sowie der Bau der Umkleidekabinen 1976 und des Clubhauses 1981 sind Beispiele für ein besonderes Engagement des SV 26 Südkirchen und aller seiner Mitglieder.

SSV Südkirchen 1981

„König Fußball“ bekommt Gesellschaft

Sportlich dominiert der Fußball ganz überwiegend das Geschehen innerhalb des rd. 300 Mitglieder umfassenden Vereins. Dies ändert sich jedoch im Jahre 1972 schlagartig, als sich auf Initiative von Vera Wißmann eine Damen-Gymnastikabteilung bildet und dem SV 26 Südkirchen anschließt. Den Damen folgen sehr bald auch zwei Mädchen-Turngruppen, so dass der Verein um 80 bis 90 Mitglieder anwächst. Als Übungs- und Trainingsstätte dient die Turnhalle der Landesfinanzschule in Nordkirchen. Nicht nur zahlenmäßig, sondern auch sportlich und gesellschaftlich tritt damit eine tolle Bereicherung des Vereinslebens ein.

Bereicherung des Vereinslebens

Bei Kinderfesten, Schauturnen oder mit Auftritten als „SV-Ballet“ beim jährlichen Karneval verstehen es die Turnerinnen immer wieder zu begeistern. Ab dem Jahr 1977 können die Mädchen und Frauen der Turn- und Gymnastikabteilung dann die neue Sporthalle der Hauptschule in Nordkirchen nutzen. Woche für Woche werden mit Bussen und Pkw bis zu 100 Kinder und Jugendliche nach Nordkirchen gefahren. Gymnastik mit und ohne Musik, Geräteturnen, Tänze und kleine Hallenspiele stellen eine Förderung der körperlichen Ertüchtigung, Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Kräftigung der Muskulatur dar. Besonderer Wert wird darüber hinaus auf die Freude und den Spaß an der Bewegung gelegt.

Turnen, Gymnastik und Leichtathletik

Neben Turnen und Gymnastik erlebt auch die Leichtathletik in dieser Zeit verschiedene Höhepunkte und eine Blütezeit im Verein. Die Chronik belegt hierzu, dass der SV Südkirchen allein im Jahr 1977 sechs Kreismeistertitel bei den Kreisjugendmeisterschaften in Alstedde erringen kann. 1982 wird der erste große Volks-Leichtathletik-Tag veranstaltet, bei der die jüngste Teilnehmerin 4 Jahre und der älteste 62 Jahre alt sind. Auch bei der jährlichen Verleihung des Sportabzeichens hebt sich der SV schon damals durch eine Vielzahl von Sportlerinnen und Sportlern hervor.

Im Dezember 1986 kann der Neubau einer Turnhalle in Südkirchen fertiggestellt werden, die im Ortsteil Südkirchen dringend benötigt wird und mit der zugleich eine wesentliche Verbesserung des sportlichen Angebotes einher geht. Völlig neue Sportarten, wie z.B. Taekwondo oder Badminton, (bei denen man bis dahin nicht einmal wusste, wie man sie schreiben sollte) werden plötzlich im SV Südkirchen angeboten.

Erfolgstrainer

Im Fußball beginnt im Jahre 1980 mit Bernd Haverkamp der wohl erfolgreichste Trainer des SV seine Karriere im Verein, in dem mittlerweile drei Seniorenmannschaften, zwei Alte-Herren-Mannschaften, eine Damenmannschaft und vier Jugendmannschaften (A bis D) am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen. Die erste Meisterschaft der Kreisliga A Lüdinghausen und der Aufstieg in die Bezirksliga kann 1981 gefeiert werden. Im gleichen Jahr wird der Sportanlage am Böckenbusch mit einem zweckmäßigen und gemütlichen Clubheim ein weiteres „I-Tüpfelchen“ aufgesetzt.

Den zweiten Aufstieg erreicht derselbe Trainer im Jahre 1988 noch einmal, nachdem sich die Mannschaft nur eine kurze Zeit in der höheren Klasse halten kann.

Ehrenvorsitzender

1986 gibt Josef Quante nach 17 Jahren den Vorsitz des auf inzwischen 500 Mitgliedern angewachsenen Vereins ab, er wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt, im gleichen Jahr wird ihm u.a. auch für das beispiellose Engagement im SV Südkirchen das Bundesverdienstkreuz verliehen. Seine Nachfolge tritt der heutige Präsident Hans-Jürgen Biesen an.

Auf der Platzanlage am Böckenbusch werden in dieser Zeit mit Bundesliga- und Prominentenfußball einige „Leckerbissen“ geboten: Die „Uwe-Seeler-Elf“ 1983, die WDR-Elf 1984, der VfL Bochum 1986 und Schalke 04 im Jahre 1987 laufen im Rahmen von Großveranstaltungen gegen Auswahlmannschaften der Gemeinde Nordkirchen auf.

1992 nimmt mit Vera Wissmann, ein weiteres „Urgestein“ des Vereins, Abschied vom aktiven Vereinsleben und gibt die Verantwortung für den Hallen- und Breitensport in jüngere Hände.

Landesliga und Westfalenmeister

Das Jahr 1993 ist mit insgesamt vier errungenen Meistertiteln in der Fußballabteilung das bis dahin sportlich wohl erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte, zumal die erste Seniorenmannschaft mit dem Aufstieg in die Landesliga eine Spielklasse erreichen kann von der man bisher nur zu träumen gewagt hatte. Auch die zweite Seniorenmannschaft steigt im gleichen Jahr in die Kreisliga A auf.

Finanzmisere

Dieser „Höhenflug“ hat jedoch erhebliche Folgen und löst eine Finanzmisere im SV Südkirchen aus, die Hans-Jürgen Biesen veranlasst, im Januar 1995 an die Spitze des Vereins zurückzukehren.

In der Landesliga kann sich die erste Mannschaft nur zwei Jahre halten. Nach weiteren drei Jahren findet man sich 1998 sogar mit der ersten Mannschaft in der Kreisliga A und mit der zweiten Mannschaft in der niedrigsten Kreisklasse (Kreisliga C) wieder.

Es folgt eine grundlegende Neustrukturierung und Konsolidierung des Vereins mit einer neuen Satzung, einer größeren Selbständigkeit der Fußballabteilung und der Hallen- und Breitensportabteilung unter dem Dach eines Präsidiums.

Im Jahr 1998 wird die sportliche Erfolgsserie jedoch noch einmal getoppt: die Ü 40-Mannschaft der Alten Herren des SV Südkirchen holen sich den Titel des Westfalenmeisters. Wen wundert es, dass auch hier der Erfolgstrainer Bernd Haverkamp die Fäden in der Hand hat. Nach 38 Jahren kann damit der Fußballkreis Lüdinghausen wieder einen Westfalenmeister feiern, nachdem 1960 die erste Mannschaft des BV Selm den bisher einzigen Westfalentitel holen konnte. In einem guten Endspiel bezwingen die Oldies des SV die Alten Herren des Verbandsligisten Spvg Holzwickede mit 1:0.

Die erste Mannschaft spielt seit dem Jahr 2000 wieder in der Bezirksliga, die 2. Mannschaft in der Kreisliga B. Eine Damenmannschaft, zwei Alte-Herren-Mannschaften und seit kurzem eine Ü 50 Mannschaft komplettieren das fußballerische Angebot des SV Südkirchen im Seniorenbereich. Insgesamt 8 Jugend-Fußballmannschaften zeugen darüber hinaus von einer regen Nachwuchsarbeit des Vereins.

Eine gut geführte Hallen- und Breitensportabteilung mit einem großen sportlichen Angebot von Badminton, Gymnastik, Turnen, Jazztanz, Sportabzeichen, Taekwondo und Volleyball runden das Bild des inzwischen auf rd. 740 Mitglieder angewachsenen Vereins ab. Seit dem Jahr 2000 präsentiert sich der SV auch im Internet , wo unter www.sv-suedkirchen.de alle Gruppen, Mannschaften und Akteure des Vereins zu finden sind.

Idealismus und Ehrenamt

Der SV Südkirchen ist in den 75 Jahren seit seiner Gründung immer eine Begegnungsstätte von Menschen aller Altersgruppen, von Alt- und Neubürgern, von Menschen aus allen sozialen Schichten gewesen. Bei der Integration vieler Neubürger hat der Sportverein einen erheblichen Anteil geleistet. Hinter dem Angebot für sinnvolle Freizeitgestaltung, dem Engagement für die heranwachsende Jugend, der Verpflichtung für die Gesunderhaltung und -förderung des Vereins stehen viele Personen, die diesen Verein mit gestaltet und geprägt haben. Der Idealismus vieler Mitarbeiter, Betreuer, Helfer und auch Sportler haben den SV zu dem gemacht was er heute ist. Aber all das wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die überwiegende Mehrheit der Südkirchener Bevölkerung „ihren Sportverein“ so hervorragend und wohlwollend unterstützt hätte.

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